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Südtour 2006

(Autor: Sissi Lisy)

Mitten in der Nacht, 8°C Außentemperatur und dann noch aufstehen müssen – aber es ist ja für einen guten Zweck, wir fliegen nach Marsa Alam und dort wartet die Nile Sat II auf uns. Schnell haben wir den Schweinehund überwunden und waren auch schon mit allen anderen Reisewilligen vor dem Check in. Ab in die Lounge und in Ruhe warten bis der Flieger geht – das war die Idee. Keine gute Idee, denn in der Zwischenzeit wurden im Restaurant von der Gruppe die Kabinen verteilt und wir haben die mit dem Massagebett (gleich hinter der Schiffsmaschine) bekommen. Wie auch immer, nach einem gemütlichen Flug, einem kurzen Transfer waren wir auch schon in der Nähe des Schiffes – Hafen will ich nicht sagen. Hier standen viele kleine ägyptische Piranhas, die sich selbstmörderisch auf unser Gepäck gestürzt haben und gegen großzügige Trinkgeldforderung unser Gepäck 3 m vom Bus in den Zodiac befördert haben. Wir haben es dann auch auf die Nile Sat geschafft, die Kabinen bezogen, alles verstaut und den Klimawechsel genossen. Endlich Sonne, endlich mehr als 10°C!

Roland, unser Tourleader, hat uns in die Geheimnisse der Schifffahrt eingeweiht, die Gruppen eingeteilt und ich hab mich beliebt gemacht, weil ich den langhaarigen Tauchern die tägliche Haarwäsche „verboten“ habe; schließlich wollte ich mich am letzten Tag auch noch duschen können... So haben wir den Tag mit süßem Nichtstun verbracht und uns bis zum Abendessen damit herumgeschlagen.

Nächsten Tag in der Früh war Achmed, unser Guide da und nach eingehendem Check durch die Hafenbehörden ging es endlich los in Richtung Süden. Nicht weit von Marsa Alam entfernt absolvierten wir unseren Checkdive, der uns von den vielversprechenden Tiefen des südlichen Roten Meeres ahnen ließ. Kaum aus dem Wasser ging es auch schon weiter, tiefer in den Süden bis schließlich zum Dolphin Reef. Da waren doch tatsächlich Delfine im Wasser und ich auch gleich – hat doch keiner gesagt, dass das Schiff noch den richtigen Ankerplatz anfahren muss. Gut, man hat mich dann herausgefischt und ich durfte einige Runden mit dem Zodiac fahren, bis das Schiff angelegt hatte und alle mit dem Zodiac zwischen den Delfinen abgeworfen wurden. Viel Stramplerei, viele Delfine, aber leider nicht immer ganz so nah.


Wir haben dann in der Gegend noch denen einen oder anderen Tauchgang untergebracht – ich hab die Gelegenheit benutzt meine 2 Jahre alte Digikamera in Neptun’s Jagdgründe zu schicken – aber besser sie säuft ab als ich.... Die Tauchgänge waren toll, wenig Strömung, viele, viele Fischerl und na, auch einige Taucher, die mir bekannt vorgekommen sind. Achmed hat uns wie immer bestens über die Tauchgründe und Örtlichkeiten informiert, sodass es keine Probleme gab.

Nächsten Tag hatten wir wieder einen von diesen schönen Tauchgängen mit Stechrochen, jeder Menge Schnapper, Süßlippen und dem jeweiligen Hausnapoleon. Dann sagte Achmed was von „it could be a bit pumpy“ als er von der Fahrt in den Norden sprach und – wie immer – hatte er Recht. Es war nicht nur ein wenig „pumpy“, es war ein wilder Ritt und so mancher Teilnehmer lag still auf der Bank, oder grün um die Nase im Salon. Andere führten angeregt ein Gespräch mit der Klomuschel – aber alles ganz diskret, keiner hat offen gelitten, wofür ich allen dankbar bin. Unsere Tauchgänge und Liegeplätze waren jedoch immer auf ruhigen Plätzen, dass man sich den Wellengang während der Fahrt kaum vorstellen konnte. Weiter nach 1 Stunde mit Koralle & Co haben wir den Höllenritt fortgesetzt, aber jetzt etwas vorbereitet, jeder hatte sein Pulverl intus und schon war alles kein Problem mehr. Ich will euch jetzt nicht mit Tauchplatznamen langweilen, es war jeder einzelne Platz ein wunderschöner Tauchplatz, den man sicherlich noch viele Male besuchen kann, ohne dass man genug davon bekommen könnte. Die Fauna und Flora ist nahezu unberührt und traumhaft schön. Sichtweiten sind wie im Roten Meer wie immer sehr gut.


Ephiston, das Riff der Longimanus, sollte einen weiteren Höhepunkt unserer Reise darstellen. Naja den Höhepunkt hatten eher die Wellen auf ihrer Seite. Bereit zum Umsteigen in den Zodiac tat sich ein Abgrund von zumindest 2 m zwischen Boot und Zodiac auf, worauf der Tauchgang sich für mich gleich erledigt hatte; bin umgedreht und habe auf den Umstieg gepfiffen. Andere haben sich mutig in den Zodiac gewagt und sind gleich auf der anderen Seite mit Flossen und Brille in der Hand wieder hinausgefallen – hatte gewissen Unterhaltungswert, aber nur beim Zuschauen! Unsere Taucher an diesem Riff hatten nicht viel Glück, denn die Longimanus waren nicht da, nur viele wild gewordenen Taucher.

In der Zwischenzeit ist unserem Schiff 2 x das Tau gerissen und der Zodiacfahrer musste sich erst um das Tau kümmern, bevor er die wieder auftauchenden Passagiere zusammenfangen konnte. Da ist schon mal jemanden an der Oberfläche treibend schlecht geworden und die Gruppe begann zum Boot zu schwimmen, bevor allen schlecht wird. Hab doch gleich gesagt, bei dem Tauchgang ist zuschauen schöner als mitmachen.

Ein Nachttauchgang mit vielen recht großen spanischen Tänzerinnen (nein, keine Damengruppe, sondern eine wunderschöne rote Nacktschnecke) hat mich ins schwärmen gebracht. Dass ich dann erst überzeugt werden musste, dass der helle Fleck über mir unser Boot ist und der weniger helle Fleck, zu dem ich schwimmen wollte, der Mond ist, ist eine ganz andere Geschichte. Bin aber froh, dass ich so einsichtig bin, denn zum anderen hellen Fleck wäre ich wahrscheinlich noch heute unterwegs.


Weiter im Norden und knapp unter der Küste konnten wir die Wetterkapriolen an Land sehen, ein Sandstürmchen (einen echten möchte ich nicht erleben müssen), sodass wir das Hotel an Land nur schemenhaft erkannten. Achmed hat uns auf einen Tauchgang mit Dudong (Seekuh) vorbereitet, den wir mit „schon wieder tauchen im trüben, seichten Wasser – und es wird nix drinn sein“ kommentierten. Weil wir so ungläubig waren, hat er ein Video hergezeigt – nette Sache, aber das passiert einem einmal im Leben.... Und bei den meisten von uns war es so weit, wir hatten dieses einmal im Leben gleich mehrmals – wir haben zwar den Rest der Gruppe verloren, aber die Seekuh zweimal gefunden. Dieses Vieh ist doch wirklich unglaublich süß.

Das war es aber dann auch schon, die Woche war vorbei und wir zwängten uns wieder in die Kabinen zum Packen und hinüber zu den kleinen Piranhas hinein in den Bus und ab in Richtung Flughafen. Weil es gar so zeitig war, hat man uns noch auf einen Drink in das Coral Beach Hotel eingeladen – El Gouna, nur etwas kleiner, aber total abgefahren – wenn einem so was gefällt.

Wenn uns auch immer noch etwas eingefallen ist, warum wir noch bleiben wollen – sogar das Flugzeug ließ uns noch 1 Stunde mehr in Ägypten (kam zu spät) – alles hat nichts genützt, wir saßen wieder im Flieger – gut wir sind einmal noch ganz kurz in Sharm el Sheik ausgestiegen (wie gesagt, wir haben alles probiert) – und kaum schaut man wieder aus dem Fenster raus, war auch schon österr. Boden unter unseren Rädern.

Nein, es war nicht so schlimm, wir hatten 18 °C bei der Ankunft, denn wir hatten nicht nur die Sonne, wir haben den Sommer mitgebracht – außerdem haben wir das nächste Schiff schon gesehen und wissen, wir machen das einfach wieder, wir gehen im nächsten Jahr wieder auf große Fahrt am Roten Meer und wieder in den Süden, in den tiefen Süden zu den St.Johns Riffen.


Letztes Update: 2006-09-03
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